xenophob

Es erwartet hoffentlich niemand, dass ich dazu noch was schreibe. Das Bildblog hat sich den Kommentar auch gespart.

Ehrlich gesagt, ich kann nicht anders:

Sie aus der BILD-Zeitung,

die vermeintliche Last des Ungewissen auf Ihrem Rücken, liefern Sie mit Ihrer fehlgeleiteten Angst ein fragwürdiges Zeugnis ab.

Wir werden uns in Zukunft daran gewöhnen müssen, hier mehr von Ihnen zu lesen. Weder dem braven Asyl-Studenten, dem Döner-Koch und dem Kellner mit seinen arabischen Augen wird das erspart bleiben. Es bereitet mir Unbehagen, Ihnen mitteilen zu müssen, dass Ali in der Paris-Bar, Muhamad in der Döner-Kneipe Sie nach Ihrem schriftlichen Erguss wohl nicht mehr umarmen wollen. Haben sie zwei Freunde mit diesen Namen?

Ich habe Angst vor Ihren weiteren Briefen. Ich weiß nicht, was Sie morgen schreiben und verbreiten. Ich weiß überhaupt nichts von Ihnen. Fakt ist, dass Sie wollten, dass viele Deutsche das lesen. Und der Beitrag trug Ihren Namen.

Gibt es etwas Unnötigeres als das?

Ja, denn wie Sie auf dem Bild mit der Überschrift “Mehr zum Thema” neben Ihrer Kolumne vielleicht entdecken konnten, ist Deutschland ein Paradies für Angsthasen und Panikmacher, in dem jeder Anschlag mit bisher ungeklärtem Hintergrund zur Meinungsmache und als Rechtfertigung für exzessivem Daten- und Trennungs-Strich-Missbrauch verwendet wird. “Von wem”, fragen Sie sich sicherlich. Und vielleicht auch “Warum”.

Nun, lieber Herr Wagner,

auf diese Frage möchte ich Ihnen nur zwei indirekte Antworten geben. Zum Einen in Form eines Zitates aus dem Wikipedia-Artikel “Manipulation“, wobei ich Sie bitte, diese Worte einen kurzen Moment wirken zu lassen, auch wenn sie nicht rhetorische Hürden im Galopp nehmen:

Wer Angst hat oder sich leicht täuschen lässt, ist leicht manipulierbar. Zum Beispiel gibt es Manipulation durch Angst vor etwas Eingeredetem, das jemand uns überzeugend vermittelt hat, das aber nicht der Realität entspricht. Manipulation von Menschen verfolgt Ziele und dient dazu, andere Menschen zu beeinflussen, z. B. hinsichtlich ihres Verhaltens.

Zum Zweiten ein Zitat von Edward Burke:

“Keine Emotion beraubt den Geist so vollständig von seinen Möglichkeiten zu handeln und zu denken wie die Angst.”

Wobei ich die Betonung weniger auf das Handeln legen möchte.

Herzlichst,

Ihr zukünftiger Kolumnenleser

Nachtrag:

Wie ich vom NDR erfahren musste, tragen Sie den Beinamen “Gossen-Goethe”, durch den Sie sich zu folgendem Kommentar hinreissen liessen:

“Der Unterschied zwischen Goethe und mir ist, dass Goethe zwar jeden Tag schrieb, aber nicht jeden Tag veröffentlichte.”

Mich dünkt, der Alte spricht im Fieber.

Quellen:

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1 Response to xenophob

  1. shiva says:

    Tagesspiegel.de:

    Die Muslime in Deutschland sehen sich im Zusammenhang mit den jüngsten Terrorfällen wachsender Ablehnung ausgesetzt. „Wir sind froh, dass der mutmaßliche Täter gefasst ist, nicht aber darüber, dass erneut Hysterie spürbar wird, ein mehr oder weniger offen vorgebrachter Generalverdacht gegen Muslime“, sagt Ali Kizilkaya, der Vorsitzende des Islamrats, im Gespräch mit dem Tagesspiegel. „Damit sind wir doppelt getroffen, denn auch wir können als Bürger, Bahnkunden oder Fluggäste Opfer eines Anschlags werden.“

    Quelle:

    Tagesspiegel.de: Muslime: Verbrechen nicht an Religion festmachen

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